Praxis Dr. med. Wolfgang Dietrich, Leopoldstr. 151a, 80804 München

Varizellen (Windpocken)

Windpocken werden durch das Varizella-Zoster-Virus (VZV), ein zur Familie der Herpesviren gehörendes Virus, übertragen. Die Windpocken sind eine fieberhafte Akutkrankheit mit einem typischen Ausschlag, die bei der ersten Infektion mit dem hochansteckenden Virus auftritt. Wie andere Herpesviren auch wird der Virus nach der Akutkrankheit nicht ganz aus dem Körper eliminiert, und kann später reaktiviert werden. Dann tritt eine als Gürtelrose oder Herpes zoster bekannte Krankheit auf. Dies ist ein meistens auf eine kleine Körperregion, nämlich auf das Verteilungsgebiet einer Hautnervenwurzel, beschränkter Bläschenartiger Hautausschlag, der mit starken Schmerzen in der betroffenen Haut und im befallenen Nerv einhergehen kann.

Übertragung
Die Übertragung erfolgt über Kontakt mit Erkrankten. Windpocken sind sehr ansteckend, d.h. für die Ansteckung kann ein kurzer Aufenthalt im selben Raum mit einem Erkrankten ausreichen. Auch Patienten, die gerade an Gürtelrose leiden, sind durch die virushaltige Flüssigkeit in den Hautbläschen der erkrankten Haut ansteckend.

Symptome
Nach einer Inkubationszeit von in der Regel ca. 14-16 Tagen  treten Allgemeinsymptome, Fieber, und der typische juckende Hautausschlag auf. Patienten sind ab 2 Tage vor Auftreten des Hautausschlages bis zu 7 Tage nach Auftreten der letzten neuen Hauterscheinungen ansteckend. Die Krankheit verläuft oft mild, jedoch kann der Hautausschlag stark jucken und das resultierende Kratzen, das sich v.a. bei Kindern schwer verhindern lässt, kann zur Narbenbildung führen. Schwere, auch tödliche Verläufe kommen bei Patienten mit geschwächter Immunfunktion, allerdings durchaus gelegentlich auch bei vorher völlig gesunden Kindern vor. Gefürchtet sind Varizellen bei Neugeborenen und Varizelleninfektionen in der Schwangerschaft, die sowohl bei der Schwangeren sehr schwer verlaufen, als auch das ungeborene Kind schädigen können.

Behandlung
Windpocken können bei immunsupprimierten Patienten und bei schweren Verläufen mit Infusionen von Virostatika behandelt werden. Bei allen anderen Personen ist die Behandlung symptomatisch, mit Fiebersenkern und lokaler Behandlung der betroffenen Haut, so dass eine Infektion der Haut mit Bakterien möglichst vermieden wird.

Gürtelrose kann mit Virostatika in Tablettenform behandelt werden, allerdings kann das Virus dadurch nicht eliminiert werden, und es kommt häufig  zu wiederholten Erkrankungen. Bei Gürtelrose müssen oft hoch dosierte Schmerzmittel gegeben werden.

Impfung
Es steht ein Lebend-Impfstoff zur Verfügung, mit dem zur sicheren Immunisierung 2x im Abstand von mindestens 4-6 Wochen geimpft wird. Laut Impfkalender der Ständigen Impfkommission am Robert-Koch-Institut sollen Kindern beide Impfungen zur gleichen Zeit wie die Masern-Mumps-Röteln-Impfung, nämlich mit 11-14 Monaten und dann mit 15-23 Monaten gegeben werden, wobei für die 2. Impfung ein 4fach-Impfstoff verwendet werden kann. Die Varizellenimpfung gehört also zu den empfohlenen Standardimpfungen. Noch ungeimpfte Kinder und Jugendliche bis zum Alter von 17 Jahren sollen laut Empfehlung zum nächst möglichen Zeitpunkt geimpft werden. Bei größeren Kindern und Jugendlichen treten häufiger schwere Krankheitsverläufe auf.

Weiter gibt es spezielle Impfindikationen für Patienten mit schwerer Neurodermitis, Patienten vor immunsuppressiven Behandlungen sowie deren Kontaktpersonen, und für Frauen mit Kinderwunsch.

Die Varizellenimpfung in den genannten Indikationen ist eine Leistung der gesetzlichen Krankenkasse.